Family Nomads

Skandinavien, Baltikum & die Inseln

Wo das Jedermannsrecht endet und das Wohnmobil anfängt

Wenn du Band 1 in der Hand hattest, kennst du uns schon. Wir sind Family Nomads, unterwegs in Europa mit Oldie, unserem Wohnmobil von 1979 – keine rollende Luxussuite, sondern ein Fahrzeug mit Charakter, Macken und Geschichte. Wer wir sind und wie wir zum Freistehen gekommen sind, steht ausführlich in Band 1; hier soll es sofort um den Norden gehen.

Und der Norden ist anders. Dieser Band nimmt dich mit auf die Britischen Inseln, nach Island, durch Skandinavien und ins Baltikum – zwölf Länder, in denen fast alles Küste ist und ein berühmtes Wort durch jede Reiseerzählung geistert: Jedermannsrecht. Right to Roam. Die Freiheit, überall sein zu dürfen. Genau an diesem Wort entscheidet sich, ob deine Reise entspannt wird oder teuer. Deshalb steht es im Zentrum dieses Auftakts.

Die Grundlagen stehen in Band 1 – hier nur das Nötigste

Wir wiederholen die zehn Grundlagenkapitel aus Band 1 nicht. Wer neu einsteigt, holt sie sich am besten dort; alle anderen bekommen hier nur die Kurzfassung. Das Wichtigste zuerst, in einem Satz: Es gibt einen Unterschied zwischen Parken und Campen, und dieser Unterschied entscheidet fast alles – nachzulesen in Band 1, Kapitel 4. Sichtbares Verhalten am Platz, also Stühle, Markise, Aufbau, kippt eine geduldete Nacht in einen Regelverstoß; wie du dich richtig verhältst, steht in Kapitel 5. Was rechtlich überhaupt gilt und wo die Grauzonen liegen, klärt Kapitel 3. Und die Ampel aus Hoch, Mittel und Niedrig, mit der wir jedes Land einordnen, kennst du aus den Länderkapiteln von Band 1. Mehr brauchst du für den Einstieg nicht.

Was den Norden besonders macht

Zwei Dinge unterscheiden diesen Band von Band 1. Erstens: Hier ist jedes Land ein Küstenland. In Band 1 gab es Binnenländer wie Österreich oder die Schweiz, bei denen die Küstenfrage schlicht entfiel. Im Norden entfällt sie nie – die Küste ist immer im Spiel, und sie ist fast überall der empfindlichste Punkt. Zweitens: der Mythos von der grenzenlosen Freiheit. In Skandinavien und in Schottland gibt es tatsächlich ein Jedermannsrecht, ein verbrieftes Recht der Allgemeinheit, sich in der Natur zu bewegen. Genau das lockt jedes Jahr tausende Wohnmobile in den Norden – im festen Glauben, dort dürfe man überall stehen.

Right to Roam ist nicht Right to Park

Dieser Glaube ist der teuerste Irrtum des ganzen Bandes. Das Jedermannsrecht meint den Menschen zu Fuß: wandern, durchqueren, mit dem Rucksack zelten, in kleiner Gruppe, ohne Spuren. Es meint nicht das mehrere Tonnen schwere Fahrzeug, das über Nacht auf einer Wiese steht. In Norwegen und Schweden haben wir das in Band 1 schon gesehen; im Norden gilt es für fast jedes Land. Selbst dort, wo England ausnahmsweise ein Camping-Recht kennt – auf Dartmoor, seit 2025 höchstrichterlich bestätigt -, gilt es nur fürs Zelt, nicht fürs Wohnmobil. Und in England, Wales und Irland gibt es dieses Recht ohnehin nicht. Der Norden ist also frei und streng zugleich, je nachdem, ob du zu Fuß gehst oder auf vier Rädern kommst.

Kontrast-Schaubild in zwei dunklen Karten nebeneinander, dazwischen ein großes orangefarbenes Ungleich-Zeichen. Linke Karte mit grünem Akzentbalken, Überschrift Right to Roam, Unterzeile Was das Jedermannsrecht abdeckt: zu Fuß wandern und durchqueren, mit dem Rucksack zelten in kleiner Gruppe, kurz bleiben und keine Spur hinterlassen. Rechte Karte mit rotem Akzentbalken, Überschrift Right to Park, Unterzeile Was es nicht abdeckt: das Wohnmobil über Nacht abstellen, einen Stellplatz im Freien beanspruchen, Campingverhalten mit Stühlen, Markise und Aufbau.
Der rote Faden dieses Bandes: Das Jedermannsrecht lädt den Wanderer ein, nicht das Wohnmobil.

Merksatz

Right to Roam heißt wandern dürfen, nicht das Wohnmobil abstellen. Im Norden trägt dich nicht das Gesetz, sondern dein Verhalten.

Wie dieser Band funktioniert

Wir gehen Land für Land, jedes mit eigenem Kapitel und mit derselben Toleranz-Ampel, damit du vergleichen kannst. Wir beginnen dort, wo der Mythos am kleinsten ist: auf dem britischen Festland, wo fast alles Privatbesitz ist und niemand etwas anderes behauptet. Von dort arbeiten wir uns nach Norden vor, dahin, wo das Missverständnis am größten ist. Die Erkenntnis, die dich durch alle zwölf Länder trägt, steht schon fest: Im Norden ist die Freiheit größer als anderswo – und die Verantwortung genauso. Fangen wir an, gleich nebenan, in England.