Family Nomads

Auftakt: Mittel- & Osteuropa

Von der Ostsee bis ans Schwarze Meer – was hier anders läuft als im Westen

Weißes Wohnmobil mit Alkoven steht im warmen Abendlicht auf einem Waldweg zwischen hohen Laubbäumen.

Wenn du Band 1 in der Hand hattest, kennst du uns schon. Wir sind Family Nomads, unterwegs in Europa mit Oldie, unserem Wohnmobil von 1979 – keine rollende Luxussuite, sondern ein Fahrzeug mit Charakter, Macken und Geschichte. Wer wir sind und wie wir zum Freistehen gekommen sind, steht ausführlich in Band 1; hier soll es sofort um den Osten gehen.

Und der Osten ist anders. Dieser Band nimmt dich mit von der polnischen Ostsee über die böhmischen Wälder und die Gipfel der Hohen Tatra bis ans Schwarze Meer – fünf Länder, in denen vieles weiter, leerer und oft großzügiger ist, als du erwartest. Aber die Regeln laufen anders als im Westen: vier verschiedene Währungen, ein Nicht-EU-Land mit Grenzformalitäten und ein Spektrum, das von „noch fast selbstverständlich“ bis zu einem der strengsten Länder Europas reicht.

Die Grundlagen stehen in Band 1 – hier nur das Nötigste

Wir wiederholen die zehn Grundlagenkapitel aus Band 1 nicht. Wer neu einsteigt, holt sie sich am besten dort; alle anderen bekommen hier nur die Kurzfassung. Das Wichtigste zuerst, in einem Satz: Es gibt einen Unterschied zwischen Parken und Campen, und dieser Unterschied entscheidet fast alles – nachzulesen in Band 1, Kapitel 4. Sichtbares Verhalten am Platz, also Stühle, Markise, Aufbau, kippt eine geduldete Nacht in einen Regelverstoß; wie du dich richtig verhältst, steht in Kapitel 5. Was rechtlich überhaupt gilt und wo die Grauzonen liegen, klärt Kapitel 3. Und die Ampel aus Hoch, Mittel und Niedrig, mit der wir jedes Land einordnen, kennst du aus den Länderkapiteln. Mehr brauchst du für den Einstieg nicht.

Was den Osten besonders macht

Drei Dinge unterscheiden diesen Band vom Westen. Erstens die Währungen: Von unseren fünf Ländern zahlt nur die Slowakei in Euro. In Polen gilt der Złoty, in Tschechien die Krone, in Ungarn der Forint, in der Türkei die Lira – prüf die aktuellen Kurse kurz vor der Reise, und hab an Mautstellen etwas Bargeld in Landeswährung dabei. Zweitens die Türkei als einziges Nicht-EU-Land: Deine gewöhnliche Kfz-Haftpflicht endet an der EU-Außengrenze, das Fahrzeug wird in den Pass eingetragen, die Maut läuft elektronisch. Das ist planbar, will aber vorbereitet sein. Drittens die Bandbreite: Kein Band zuvor spannte einen so weiten Bogen zwischen entspannt und streng – die Türkei lässt dich fast überall stehen, Ungarn kaum irgendwo.

Right to Roam ist nicht Right to Park

Ein Prinzip trägt dich durch alle fünf Länder, und im Osten wird es besonders wichtig: Das Recht, sich frei in der Natur zu bewegen, zu wandern und zu zelten, ist nicht dasselbe wie das Recht, dort mit dem Wohnmobil zu übernachten. Ungarn führt das fast lehrbuchhaft vor – das Waldgesetz erlaubt dort das Zelten, aber ausdrücklich nur zu Fuß oder mit dem Rad, nie mit dem Fahrzeug. Wer diesen einen Satz verinnerlicht, versteht neun von zehn Regeln dieser Region, bevor er sie überhaupt liest.

Kontrast-Schaubild in zwei dunklen Karten nebeneinander, dazwischen ein großes orangefarbenes Ungleich-Zeichen. Linke Karte mit grünem Akzentbalken, Überschrift Right to Roam, Unterzeile Was das Jedermannsrecht abdeckt: zu Fuß wandern und durchqueren, mit dem Rucksack zelten in kleiner Gruppe, kurz bleiben und keine Spur hinterlassen. Rechte Karte mit rotem Akzentbalken, Überschrift Right to Park, Unterzeile Was es nicht abdeckt: das Wohnmobil über Nacht abstellen, einen Stellplatz im Freien beanspruchen, Campingverhalten mit Stühlen, Markise und Aufbau.
Der rote Faden dieses Bandes: Ein Betretungsrecht lädt den Wanderer ein, nicht das Wohnmobil.

Merksatz

Betretungsrecht heißt wandern dürfen, nicht das Wohnmobil abstellen. Im Osten trägt dich nicht das Gesetz, sondern dein Verhalten – und vier von fünf Ländern zahlen nicht in Euro.

Wie dieser Band funktioniert

Wir gehen Land für Land, jedes mit eigenem Kapitel und derselben Toleranz-Ampel, damit du vergleichen kannst. Wir fahren von Nordwesten nach Südosten: erst Polen an der Ostsee, dann durch Tschechien und die Slowakei, weiter nach Ungarn und schließlich über die Balkanroute in die Türkei. Ein Nachbar fehlt dabei bewusst: die Ukraine. Solange dort Krieg herrscht und Reisewarnungen gelten, gehört sie nicht in einen Freisteh-Führer – sie folgt erst, wenn sie wieder sicher bereisbar ist. Fangen wir an, im größten Land der Region: in Polen.